Erdgeschichte erleben

Küstenwanderung auf dem Ahornweg

Verglichen mit den Mittelgebirgen weiter im Süden ist der Teutoburger Wald im Bereich des Ahornweges nicht besonders hoch. 331 Meter erreicht er am höchsten Punkt. Aber ein Strandspaziergang auf dem Ahornweg? Wie soll das möglich sein?

Um das zu verstehen, genügt ein etwas genauerer Blick in die Wegeböschungen und in die kleinen Steinbrüche am Wegesrand. Dort, wo der Ahornweg am nördlichen Gebirkskamm verläuft, wird der aufmerksame Wanderer immer wieder ein sehr sandiges, gelbbraunes Gestein entdecken. Es verwittert zu sandigem Boden, auf dem dann auch gerne Heidelbeeren, Kiefern und manchmal sogar Heide wachsen.

Läuft man aber auf dem Südkamm, fällt ein fast weißes Kalkgestein auf, das oft auch auf den Wegen als Schotter aufgebracht wurde. Es wird bei Regen schnell rutschig und bietet einen guten Untergrund für manche bekannte Pflanze wie den Lerchensporn oder den Bärlauch.

Von der Küste ist aber noch immer nichts zu sehen, oder? Und ob! Der Sandstein am Nordhang ist nämlich nichts anderes als feinster Strand-Sand! Vor 120 Millionen Jahren, zu Beginn der Kreidezeit, plätscherten hier die Wellen an den Strand und verteilten den Sand auf vielen Kilometern Länge. Wären wir damals hier gewesen, hätten wir gute Chancen gehabt, den einen oder anderen Saurier beim Sonnenbaden zu beobachten.

Wer den weißen Kalkstein vom Südkamm des Teuto etwas näher betrachtet, entdeckt hier und da kleine oder größere Muschelabdrücke. Ein klares Zeichen dafür, dass auch dieses Gestein etwas mit dem Meer zu tun hat: Es lagerte sich als Kalkschlamm gegen Ende der Kreidezeit auf dem Meeresgrund ab. Der Meeresspiegel war gestiegen und hatte die alten Strandbereiche überschwemmt.

Wer immer noch nicht an die Küstengeschichte glaubt, dem begegnet das Meer am Gradierwerk in Bad Rothenfelde noch intensiver: Wenn Sie hier eine frische Meeresbrise wittern, liegen Sie vollkommen richtig: Hier hat das Grundwasser unter der Erde uraltes Meersalz aufgelöst, entstanden am Grunde des Permzeitlichen Meeres, das hier vor etwa 250 Millionen Jahren im heißen Klima verdampfte.

Schuhe ausziehen und die Hose hochkrempeln? Das ginge vielleicht etwas zu weit. Aber mit ein bisschen Phantasie zuzuhören, welche Geschichten die Steine erzählen – das sollte man sich bei einer Ahornweg-Wanderung nicht entgehen lassen!

Im Übrigen sind auch an vielen anderen Stellen im Natur- und Geopark TERRA.vita überraschende Blicke zurück in die Erdgeschichte möglich.

Mehr unter www.naturpark-terravita.de